Zerknittert – oder Lehrling gegen Meister – Vorsicht, xtra large

Wenn eine Mannschaft zwischen der 70. und 80. Minute zu Hause, 0:2 zurückliegend, gefühlt keine 10 Ballkontakte hat läuft was schief bzw. verliert sie verdient.

Und so ist es: Bayern hat hochverdient gewonnen. Und ich fühle mich zu zerknittert wie mein (jetzt im Papiermüll liegendes) Spieltagsplakat. Warum ist das so, also die verdiente Niederlage und das zerknittert-fühlen?

Fangen wir vorne an:

Aufstellung:
Ich sah sie so auf dem Feld Unnerstall – Benni Papa Joel Fuchs – Neustädter – Holtby Jones – Farfan Julian – Hunter
Hm, eigentlich eine Truppe, die dagegen halten können sollte. Dieses Gefühl legte sich nach kurzer Zeit. Warum? Weil wir zu jung, zu unerfahren, zu ängstlich (umgangssprachlich sagt man „Köttel inne Buxe“) und falsch auf- bzw. schlecht eingestellt waren. Uiuiuiui, starker Tobak! Aber gerne der Reihe nach und bitte auch mit Kommentaren dazu. Nehmen wir doch jeden Spieler einzeln und enden mit dem Trainer.

Lars Unnerstall
Vorab: Ich würde Ralf Fährmann ins Tor stellen, viel Bauchgefühl, aber er ist der bessere Fußballer. Lars Unnerstall bzw. Schalke hat ein Problem wenn der Ball zum Torwart zurückgespielt und dieser unter Druck gesetzt wird. Das hat Jürgen Klopp schon nach dem letztjährigen Derby in Lüdenscheid gesagt, dass seine Scouts da eine Schwachstelle ausgemacht haben. Gefühlte nullvier von fünf „Befreiungsschlägen“, aber auch von langen Abschlägen gehen entweder direkt ins Aus oder an den Gegner. Das zweite Tor (unabhängig von der Vorgeschichte und wer da doof aufgesehen hat) geht zu einem großen Teil auf seine Kappe. Eine gute Situation hatte er gegen Robben, ansonsten habe ich ein ungutes Gefühl, wenn der Gegner in unseren 16er kommt. Sorry, aber meine persönliche Meinung: Schwachpunkt

Benedikt Höwedes
Vor der Saison war ich überzeugt, dass die Bayern ihn kaufen. Die ersten zwei Spiele auf der Bank, sicherlich auch wegen der EM-Nachwehen und verletzungstechnisch, sollte man spätestens gestern gesehen haben, dass er kein rechter Verteidiger ist. Er ist Innenverteidiger und hat bei uns das Problem, dass die IV aktuell besetzt ist. Das wird sich sicherlich zwischendurch mal verletztungsbedingt oder wegen Sperren ändern, aber damit kann er eigentlich nicht zufrieden sein. Und –mMn- ist er es auch nicht mit der Position des RV. Und so spielt er dann auch. Klar, er hat Robben fast ausgeschaltet, aber immer, wenn mit kurzen Pässen über seine Seite gespielt wurde musste ich die Luft anhalten. Schnelle Pässe in den Rücken sind aber für jeden Abwehrspieler tödlich. Er versuchte zwar Farfan nach vorne zu unterstützen, aber so richtig gelang das nicht, weil er zunächst mal nach hinten absicherte (absichern musste). Vor dem ersten Tor sah er schlecht aus.
(Als RV) Schwachpunkt

Papa
Kämpfen, Köpfen, Rennen, Grätschen. Nicht umsonst Fanliebling. Solide Partie gestern, schwamm aber des Öfteren mit, wenn schnell auf unser Tor gespielt wurde. Ihm gehört die Zukunft. Ich fürchte nur, sie wird nicht mehr allzu lang bei uns sein.

Joel
Viele unsäglich leichte Fehlpässe nach vorne. Die kennt man allerdings von ihm. Im Spiel nach vorne immer dann gefährlich, wenn er mal alleine geht, wobei er aufgrund seiner Schnelligkeit und Technik (ja, die hat er!) dann für den Gegner sehr gefährlich werden kann. Vor dem zweiten Tor macht er die Beine zusammen um keine Tunnel zu riskieren und damit die kurze Ecke auf. Die ist allerdings für den Torwart, aber frei von Schuld am zweiten Tor ist er nicht. Muss seine Fehler abstellen und wäre vielleicht als 6er neben Neustädter in Zukunft besser aufgehoben – finde ich.

Fuchs
Puh, jetzt könnte es böse werden, ich versuchs trotzdem mal: Wie oft wurde er gestern getunnelt? Für einen „richtigen“ Rechtsaußen ein Geschenk. Seine Stärken liegen im Spiel nah vorne, in den Flanken und Freistößen, nicht in der Abwehrarbeit. Dass sah man insbesondere dann, als Robben über seine Seite kam, Lahm im Schlepptau. Ihm einen richtigen LV hintendran gestellt, damit würde man ihm und der Defensive einen Gefallen tun. Gestern einer der schwächsten Schalker, wobei keiner wirklich glänzte.

Neustädter
Einziger 6er, der hin und her rennen musste, um Lücken zu stopfen. Sch***job, wenn der Gegner schnell, mit kurzen Pässen, nach vorne spielt. Sicherlich bester Schalker, solide Partie. Wenn es nicht läuft ist es schwer die Mitspieler, die teilweise lieber die schwierigen Bälle versuchen, als die einfachen zu spielen, mitzuziehen. Ich sehe ihn eigentlich als „Taktgeber“, er muss den Ball schnell nach vorne bringen. Geht das nicht muss er den sicheren Ball spielen. Gestern spielte er nur den „sicheren Ball“, schnell nach vorne ging nichts.

Jones
Nicht fit, seine Auswechslung war das „Aufgabezeichen“ des Trainers. Vor Neustädter gezogen, wahrscheinlich um den Spielaufbau zu (zer)stören. Das gelang nicht, wobei das nicht an ihm lag. Ohne Spritzigkeit, ohne Grätsche, halt nicht fit. Das nimmt ihn aus dem Spiel. Das bringt ihm nicht, er kann als „Kampfschwein“ nicht glänzen, das bringt der Mannschaft nichts und entlarvt mMn das Huubsche System. Er wird sicherlich alles gegeben haben, aber bei einem unfitten Jones reicht das nicht (bleib mehrfach vorne stehen, dass macht er sonst nie). Daher hätte Stevens ihn nicht bringen dürfen.

Holtby
Versuchte, machte, tat, rannte … klappte alles nicht. Teils, weil Anspielstationen fehlten, teils weil die Bayern einfach immer den entscheidenden Schritt schneller waren. Einer der besseren, aber es reichte (noch) nicht, um Spiel und Gegner seinen Stempel aufzudrücken. Dafür waren die Nebenleute gestern nicht stark genug, allerdings hat er auch nicht genug riskiert bzw. riskante Pässe landeten beim Gegner.

Farfan
Soll Superspiele in der Copa gemacht, Messi in den Schatten gestellt haben. Schön für Peru. Während Robben immer versuchte Schalker auszuspielen hat Farfan das gegen Badstuber nicht versucht. Ball halten, warten, anstatt seine Schnelligkeit auszuspielen, 1:1 zu gehen, aufs Tor zu ziehen oder den Hunter zu bedienen. Nach hinten mit solider Arbeit, nach vorne nix. Zu wenig für jemanden, der als Anspruch hat „den Unterschied zu machen“. Er ist nicht der, der ein Spiel dreht, wenn es nicht läuft. Er ist der, der glänzt, wenn die Mannschaftskameraden ihn mitziehen. Ihm sei zugute gehalten, das schnelle Bälle aus der Abwehr auf seine Seite selten kamen, aber wenn sie denn kamen machte er nichts daraus.

Julian
Warum spielt man ihn aus 50 Metern in Kopfhöhe an? Und wenn das bei den ersten Malen nicht klappt, warum versucht man es noch weiterhin? Wer entknotet ihn, wenn er bei seinen dutzendfachen Übersteigern mal die Beine nicht mehr auseinander bekommt? Gegen Lahm auf verlorenem Posten, bei einer der wenigen Guten Szenen trat er in den Rasen, schade. Bei seiner zweiten guten Szene hätte (hätte hätte Fahrradkette) den Ball quer auf den Hunter legen müssen. Auch ihm gehört die Zukunft, auch er muss noch lernen. Das hat er gestern aufgezeigt bekommen. Weniger ist manchmal mehr, auch bei Übersteigern.

Hunter
Laut van Gaal der beste Strafraumstürmer der Welt. Wenn der beste Strafraumstürmer der Welt aber nicht in ebendiesen kommt hängt er in der Luft, hat keine Ballkontakte, keine Torschüsse. Ihn lang und hoch anzuspielen gegen zwei Kopfballstarke Gegenspieler macht wenig bis keinen Sinn, zumal er bekanntermaßen nicht der Sprintstärksten einer ist. Und dann ist es so, wie in jedem Spiel, so läuft, also gegen die Lüdenscheider oder die Bayern: Er hat keine Chancen, er schießt keine Tore. Das liegt aber nicht an ihm, das ist eine Aufstellungssache.

Womit wir beim Trainer wären. Jaja, als erster ist der Trainer Schuld. Quatsch. Aber wenn er so aufstellt wie gestern ist die Antwort: Ja! Aber ich will es mir nicht einfach machen, ich will es meiner Meinung nach belegen:
– „Bayern ist uns weit voraus“, gestern in irgendeinem Interview. Mag sein bzw. ist sicherlich so, aber für ein Spiel kann und darf man sie schon mal in die Schranken weisen. Bei den Besprechungen bin ich nicht dabei, aber eine solche Einstellung kommt schon mal mit rüber, unbewusst, unterschwellig. Erst recht, wenn man nach dem „Huubschen System“ aufstellt!
– Huubsches System: Hier https://neunzehnhundertvier.wordpress.com/2011/09/27/welkom-huub/ hatte ich dazu was geschrieben. Jones war nicht fit, spielte aber trotzdem. Gebracht hat es nichts, für niemanden.
– Julian Draxler gehört die Zukunft. Gestern wäre es besser gewesen den erfahrenen Barnetta von Anfang an zu bringen und Julian nach einer Stunde einzuwechseln. So hätte man dem schwimmenden Fuchs mehr Hilfe an die Seite gestellt, die Defensive verstärkt, ohne der Offensive viel zu nehmen, denn sein Spiel gegen Piräus war gut.
– Zu viele Spieler auf ihren falschen Positionen: Benni, Fuchs, Jones
– Kindergartenkrankheiten: Las ich letztens, er habe Julian Draxler nach dem Augsburgspiel ob der falschen Schuhwahl gefaltet rieb ich mir die Augen, wer da gestern so alles rumrutschendurfte. Kam das (auch?) nicht an bei den Spielern?
– Taktik: Weniger ist manchmal mehr. Ich will sagen, wenn ich so wie gestern, mit den Spielern, aufstelle, warum ändere ich mein „System“? Btw: gibt es eins, ein Schalkesystem, ein System Huub? Ich sehe keins, tut mir leid. Zurück: Jones vorzuziehen und Neustädter allein zu lassen war der gröbste vieler kleiner Fehler. Er schwächte die Defensive und brachte auch für die Offensive nichts.
– Affelay: Wann will er ihn denn loslassen? Also mal so richtig von der Leine, so von Anfang an, mit vielen Freiheiten. Auch der ist sicherlich vor so einem Spiel motiviert, weiss um die Brisanz und die Chance sich zeigen zu können. Warum nicht von Anfang an?
– Falsche Einstellung auf den Gegner: Körperloses Spiel gegen die Bayern? Kannste machen, aber dann holste nix. Beweise? Gabs gestern. Da erwarte ich vom Trainer, dass er eine Marschrichtung vorgibt. Die sah ich nicht. Unsere Blauen rannten im Raum immer dem Ball nach. Ist klar, Huub gibt nicht vor, dass man hinterherrennen soll, aber er gibt die Positionen, die Aufgaben vor. Die Spieler führen aus. Seine Bauselle!

Und abschließend zum Gegner: Erfahrener (Lahm – Draxler, Schweinsteiger – Holtby), abgezockter. Abgezockter auch bezogen auf „Taktische Fouls“. Immer, wenn man die Chance gehabt hätte, schnell einen Konter zu spielen, wurde das unterbunden (der Schiedsrichter sah das allerdings nicht gelbwürdig an). Räume wurden genutzt, der Ball schnell gespielt, die persönlichen Stärken gegen die Schwächen der Gegenspieler ausgespielt. Arroganz (in einem Spiel) muss man sich erarbeiten. Mussten sich die Bayern gestern nicht, sie haben sie sich erspielt. Auch weil wir nicht dagegengehalten haben, mit Kampf. So heisst es weiter warten auf den 13. Heimsieg gegen die Bayern.

Und das Gefühl des zerknittert-seins hält deswegen an.

Achja, Last not least:
Viele haben sich gestern wieder am ehemaligen Schalketorwart abgearbeitet. Wenn man ihm Hass entgegenschreit kann er damit sicherlich gut leben. Dreht euch einfach um, wenn er auf euch zuläuft. Wenn ehemalige Freunde sich abwenden würde – mich zumindest – das mehr „weh tun“.

Und: wir haben gegen die Bayern gespielt. Da interessieren mich Spiele der Lüdenscheider eher nicht. Zumindest juble ich nicht, wenn wir 0:2 hinten liegen und die anderen auch. Merke: Selbst wenn die Lüdenscheider 34 Mal verlieren, dadurch werden wir weder automatisch in die CL einziehen noch Meister werden!

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Über heinzgeldermann

Ich bin Heinz Gelderman. In diesem Blog werde ich - mehr oder weniger - reglemäßig etwas über den FC Schalke 04 schreiben, sicherlich meist durch eine königsblaue Brille, aber (ich hoffe) auch durchaus kritisch meine Meinung kundtun.
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