Traditionstour durch Gelsenkirchen am 31.03.2012

Kleiner Bericht unserer Tour durch Gelsenkirchen mit Geschichte(n) rund um Schalke, Spieler, Kohle, Kampfbahn, Kuzorra, Bergbau, Knappen, Karten(preise), Schacht 2, Maschinenhalle, Schatzkammer u. v. a. m.

Vielen Dank an Petra für die Organisation und an Oli4 für das ein oder andere Mal „Hühnerfell“!

Vom Stadtgarten zum Schalker Markt

Aus voller Brust besungen, von den wenigsten tatsächlich besucht und von einigen nicht mal gewusst wo: der Schalker Markt. Und wenn man sich auf die Fahnen schreibt „Kumpel- und Malocherclub“ zu sein sollte man auch wissen, wo das, wo man herkommt.

Also trafen sich am gestrigen Samstagmorgen um kurz vor 10 Uhr 32 „Suchende“ vor dem Martitim-Hotel in GE. Und obwohl der Bus schon bereit stand ging es erst einmal in den Stadtgarten. Eine Gedenktafel erinnert hier daran, wo der Name Schalke überhaupt herkommt.

Unser „Traditionsguide“ Oli4 erklärte erst mal (Grüße an den „Stachelpräsidenten“) die „Siedlung an Schädelförmiger Gegend“ und wie sich daraus dann letztlich der Name „Schalke“ entwickelte.

Dort, wo früher des Öfteren das Wasser die Gegend überschwemmte, gibts jetzt auch noch Wasser, aber gewollt.

Aus dem Stadtgarten ging es dann mit dem Bus am MiR vorbei Richtung Kurt-Schumacher-Straße, wobei man unterwegs noch im Hintergund eine Schachtanlage der Zeche Consol sehen konnte. Alle derartigen Anlagen sind übrigens keine Ruinen, wie auch immer sie aussehen mögen, sondern vielmehr Industriedenkmäler.

Einen kleinen Blick in die Grenzstraße (schwedischer König „Wo liegt dieses berühmte Schalke?“ Ernst Kuzorra „Anne Grenzstraße, eure Majestät!“) und die Blumendelle (Geburtshaus vom Clemens) aus dem Bus erhascht, der dann, nach gefühlten nullvier Minuten Fahrt, schon wieder hielt und die Anweisung bekam uns in zwei Stunden irgendwo wieder einzusammeln. Ein bisschen überrascht stiegen alle „Touristen“ aus und es ging per pedes weiter, vorbei an

zum Denkmal von Friedrich Grillo, der einst auf dem Grillobrunnen auf dem Schalker Markt trohnte und heute auf die St. Joseph Kirche schaut.

Über die Schalker Straße, die damalige Einkaufsstraße im Ortsteil Schalke, geht es dann auf den Schalker Makrt, der heute so gar nichts mehr vom damaligen Glanz hat und sich uns so präsentierte:

Auf dem Weg dahin hätte man sich noch die Haare schneiden lassen können, die Möglichkeit auf ein kühles Blondes gab es aber nicht, war ja auch noch früh am Tag:

A propros kühles Blondes: Letztens las ich noch die Geschichte von Willi Schulz, der – wie viele Schalker Spieler damals – ein Kneipe betrieb (wahlweise standen Tabak- oder Textilläden und auch Tankstellen bei den Spielern hoch im Kurs). Nach dem Bekanntwerden seines Wechsels zum HSV mieden die Schalker aber die Kneipe und gingen demonstrativ in die Trinkhalle auf der anderen Seite. „Aber dat war mich egal. Die gehörte mich auch.“ Gute Idee, mangelhafte Ausführung 😉

Vom Schalker Markt zur Kampfbahn Glückauf

Vom Schalker Markt aus, bei dem man sich nur schwer den alten Glanz vorstellen kann, ging es über die Berliner Brücke, die das „Todesurteil“ für den ehemaligen Mittelpunkt des Schalker Vereinslebens, der Vereinsfamilie, war, Richtung Kampfbahn Glückauf.

Und mitten auf der Berliner Brücke konnte man dann auch das nochmal sehen, was Oli4 uns auf dem Schalker Markt erklärt hatte, nämlich, dass aufgrund der West-Ost-Verbindung der Bahn und des stetig zunehmenden Individualverkehrs mit PKW, LKW und Zweirädern in Nord-Süd-Richtung irgendwann der Zeitpunkt kam, wo es keinen anderen Ausweg mehr gab als eine Brücke zu errichten und den Schalker Markt „abzunabeln“. Aber 18 Stunden geschlossene Schranke am Tag sind irgendwann einfach zu viel.

Nachdem man die Berliner Brücke überquert hat erreicht man die „Schalker Meile“, wo jetzt alle großen Fan-Organisationen vertreten sind und der Meile neues Leben einhauchen wollen. Erstmals so richtig mit „Hühnerfell“ habe das gegen Twente geklappt, wo der komplette Bereich gefüllt gewesen sei. Oli4 legte uns nahe, doch einfach mal vor einem Spiel vorbeizukommen und auch selbst ein bisschen vom früheren „Schalker Tagesablauf“, dem Einstimmen in den Gaststätten, dem gemeinsamen Gang/Fahrt zum Stadion, zu erleben, das Bemühen der Fan-Organisationen zu unterstützen. Die Schilder stehen, die Umbenennung der Straßenbahnhaltestelle steht bevor, die Schalker Meile soll wieder mehr Leben bekommen.

Hier ein paar Eindrücke:

Und dann machen wir kurz Halt am ehemaligen Tabakladen von Ernst Kuzorra und Stan Libuda,

um auch vor dem aktuellen Wohnhaus von Heiner Kördell, einem der Meisterspieler von 1958, kurz stehenzubleiben und Oli4 uns an dieser Stelle auch nochmal einiges zu der Verwurzelung einiger ehemaliger Spieler im Ortsteil zu erklären.

Dann aber ging es rein in die altehrwürdige Kampfbahn Glückauf, in der kaum einer unserer Gruppe ein Livespiel hat sehen können, denn das letzte Spiel fand dort ja bereits 1973 statt, man zog ins Parkstadion um und verließ den Ortsteil Schalke.

Ein paar Impressionen aus der GAK

Von der GAK zum Friedhof Rosenhügel

Am Einlass zur GAK an der Caubstraße kamen dann auch die jüngeren Logomaler unter uns auf ihre Kosten (viele Grüße an Herrn Wieland junior ;-)), wo Oli4 uns anhand der dort aufgebrachten verschiedenen Vereinslogos deren Werdegang erklärte (Kreise sticken ist halt nicht so einfach, insbesondere dann, wenn es drei dünne Kreise rund ums Wappen sein sollen):

Auch sonst hat man den ehemals trostlosen grauen Wänder buntes Leben eingehaucht, klasse Aktion und richtig gut gelungen (wie auch dem Eingang Nord an der Arena):

Und auch hier ein paar Impressionen auf dem Weg Richtung Bahnhof Schalke Nord, wo eines der berühmt gewordenen Plakate „Keiner kommt an Gott vorbei“ gehangen haben soll, das/die von Schalke-Fans mit dem Zusatz „Aber Stan Libuda“ verifiziert wurden 😉 Der Bahnhof Schalke-Nord war übigens einer von drei Bahnhöfen im Ortsteil Schalke, heute eher nicht mehr vorstellbar. Auch die A42 führt direkt an der GAK vorbei, von der aus man auch einen flüchtigen Blick erhaschen kann und die teilweise früher auch schon mal als Parkplatz missbraucht wurde, wenn bei Spielen nichts mehr ging und man nicht zu spät kommen wollte.

Zu Fuß ging es wenige Meter weiter und nach der Erklärung von Oli4, dass wenn er schon mal hier ist er des öfteren kurz Ernst und Fritz einen Besuch abstattet und die letzte Ehre erweist, wurde es etwas ruhiger in der Gruppe. Trotzdem das Wetter nicht so doll war (zum Glück regnete es nicht) und der ein oder die andere durchgefroren war stieg keiner in den wartenden Bus sondern alle gingen mit auf den Friedhof.

Auch für mich das erste Mal, dass ich an den Gräbern der beiden Schalker stand, deren Name untrennbar mit der Vereinsgeschichte und dem „Schalker Kreisel“ verbunden ist und verbunden bleiben wird.

Aus dem Ortsteil Schalke zum Schacht 2 der Zeche Hugo

Vom Friedhof Rosenhügel aus ging es dann mit dem Bus an der Arena und dem Schalker Feld vorbei Richtung Rungenberghalde zum Schacht 2 der Zeche Hugo. Dort versuchen die ehemaligen Bergleute, gegen alle Steine und Knüppel, die man ihnen in den Weg gelegt hat, etwas ganz Tolles aufzubauen, um ihre Tradition, die zu einem großen Teil die Tradidition des kompletten Ruhgebietes ist, wach zu halten.

Bevor wir aber am Schacht 2 ausstiegen gab es im Bus noch drei Theorien, warum man denn das blau und weiss 1924 als unsere Vereinfarben gewählt und damit das rot-gelb ablöste, die gute 20 Jahre seit Gründung von Westfalia Schalke (vielleicht am 04.04.1904) Vereinsfarben gewesen waren.

Die Masuren/Schlesien-Theorie besagt, dass die damals ankommenden „Gastarbeiter“, die dann letztlich in GE heimisch wurden, ihr Hab und Gut in blau-weiße Tücher gehüllt mit sich brachten. Nicht ganz so nett ein damaliger Spruch über die Masuren: „Die Augen blau vom raufen, die Nase rot vom saufen, die Haare weiss vom huren, das sind die Farben der Masuren“.

Die „Trendfarbentheorie“ schließt daran an, dass nach dem 1. Weltkrieg die Bevölkerung zur damaligen Zeit das Leben, das Flanieren, das Ausgehen wiederentdeckte und die (königs)blaue Farbe, eigentlich dem König vorbehalten, eine Trendfarbe in der damaligen Zeit war und man sich diese deshalb ausgesucht hat.

Oli4 (und ich selbst auch) bevorzugt die „Bergmannstehorie“, wonach sich die Kumpel nach einer 8, 9 oder 10stündigen Schicht unter Tage am blau-weißen Himmel erfreuten und es von daher nahe lag, sich eben diese Farben als Vereinsfarben auszusuchen.

Es kann natürlich auch die von Herrn Wieland junior geäußerte, bislang weitgehend unbekannte, nullvierte Theorie sein: „Weil blau und weiß einfach die schönsten Farben sind!“ Auch das würde ich nicht von der Hand weisen wollen, leuchtet ein.

Angekommen am Schacht nahm uns Hennes, der 37 Jahre hier eingefahren ist, jetzt ehrenamtlich Besuchern sein „Reich“ zeigt und von seinen Geschichten erzählt, in Empfang. Nach einem kleinen Schnaps und ersten Blick in die Maschinenhalle wurde die Gruppe geteilt, die eine Hälfte ging in die „Schatzkammer“ (allein hierfür hat sich für viele schon die Tour gelohnt, man hörte nicht wirklich viele Stimmen, eher ungläubiges Staunen und sah konzentriertes Betrachten), die andere Hälfte auf das Dach, um sich ein bisschen die Gegend anzugucken.

Hier die gesammelten Werke:

Nicht nur Fußballkleinode und Trikots findet man dort, auch diese original Ringmatte eines Klitschko-Kampfes aus Hamburg mit (Blut)Flecken.

Schachtgebäude, 1216 m ging es hier früher hinunter in die Tiefe um die Kohle aus der Erde zu holen.

Gebäude der ehemaligen Kaue der Zeche Hugo, wo zu Hochzeiten mehr als 5.000 Menschen eingefahren sind.

Fazit: Es sollte gute nullvier Stunden dauern, es wurden viereinhalb Stunden. Es waren noch zu wenige, aber sie reichten, um Appetit auf mehr zu machen. Wenn ihr denn mal die Chance habt eine derartige Tour zu machen, nicht lange überlegen, tun, davon erzählen, Leute mitnehmen oder aber selbst eine solche Tour organisieren (den Oli4 erreicht ihr z. B. über 0li4(at)web.de).

„Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“ – dem ist nichts hinzuzufügen, Danke Oli4 für Dein Engagement und Dein weitergeben! Glückauf!

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